G8-Plenum Bochum:
Termine & Veranstaltungsreihe "Gute Nacht, G8"


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Montag 12.02.07, 07:39 Uhr
Freitag, 16. Februar 2007 um 19:30 Uhr
Veranstaltungsreihe zum G8 Gipfel

“Das Öl, die Armut und die Umwelt - Wohin Nigeria?”

mit John Emeka Akude / Uni Köln

nigeria-oelxplosion.jpgBahnhof Langendreer, Raum 6

Energie ist ein Punkt auf der Agenda der G8. Die Frage nach den Verfügungsrechten über fossile Energievorräte bringt oft massive gesellschaftliche Konflikte hervor – nicht nur global, sondern auch gerade regional und lokal. Ölreichtum z.B. führt meist dazu, dass nur eine kleine Schicht korrupter Herrschender, die die multinationalen Konzerne bedienen, auch was davon haben, während der Großteil der Bevölkerung verarmt. Autoritäre Regimes und Bürgerkriege bestimmen überwiegend die gesellschaftliche Realität ölfördernder Länder, beides nicht selten mehr oder weniger direkt von den global players finanziert. Wir haben deshalb den Vortrag von J. E. Akude in die Veranstaltungsreihe zum G8 Gipfel eingefügt, um anhand des konkreten Beispiels von Nigeria diese Problematik zu diskutieren.

Wieder einmal kam es in Nigeria zu einer Öl-Explosion, diesmal in der Hauptstadt Lagos, wo Berichten zufolge mindestes 850 Menschen an Weihnachten ums Leben gekommen sind. Ähnliche Unglücke haben in den letzten zehn Jahren wahrscheinlich mehr als 3000 Todesopfer gefordert. In unseren Medien erfahren wir dann regelmäßig, dass in Afrikas größtem ölproduzierenden Land Korruption, Missmanagement und mangelnde Raffineriekapazitäten zu „Engpässen“ für die Bevölkerung führen. Dieser Mangel würde von Dieben und Plünderern ausgenutzt, die Pipelines anzapfen, um das Öl auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen und sich keinen Deut um das Leben der BewohnerInnen und die Sicherheit in den armen Stadtvierteln scheren würden.

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Nigerias Öl-Reichtum ist fest in ausländischen Händen: nur fünf % verbleiben im Land, den Rest teilen sich wenige Multis auf. Das Land wird ausgesaugt, um die Folgen kümmern sich die Konzerne wenig. In der UN-Erhebung über menschliche Entwicklung, in die nicht nur das Bruttoinlandsprodukt, sondern auch die Ebenen Ernährung, Bildung, Gesundheitsfürsorge und Hygiene einfließen, taucht das superreiche Land unter den 20 am wenigsten entwickelten auf (2004).

Nigerias Widerstand gegen solche Verhältnisse wird bei uns nur dann bekannt, wenn Prominente wie Ken Saro Wiwa international Öffentlichkeit erregen. Doch auch die arme Bevölkerung wehrt sich immer wieder. Dieser Kampf ist lebensgefährlich: Ken Saro Wiwa wurde für sein Engagement hingerichtet, die Armen verlieren ihr Leben beim Versuch, ihren Alltag zu sichern.

John Emeka Akude, Dozent an der Uni Köln, forscht über Afrika und Internationale Politische Ökonomie. Im Bahnhof wird er die Serie der Öl-Unglücksfälle unter den verschiedenen Aspekten analysieren.