Archiv - März 2007
Der Staat als Aktiengesellschaft
In einem Artikel vom 8.3. rezensiert die schweizerische Wochenzeitung WOZ das Buch von Manfred Pohl “Kultur des Weissen Mannes. Eine Handlungsaufforderung”.
“Grosse Teile von Deutschlands Wirtschafts- und Politeliten sind sich seit Jahren einig, dass die «soziale Marktwirtschaft» durch zu hohe Sozialausgaben überlastet sei. Sie vertreten den Standpunkt, dass man die Arbeitslosigkeit mit der Senkung der Lohnkosten bekämpfen müsse. Den WählerInnen werden die entsprechenden Reformen als bitter schmeckende, aber alternativlose Medizin für den Patienten Deutschland verkauft. Allerdings genügt das nicht. Das föderale System in Deutschland verhindert die rasche Durchsetzung von tief greifenden Veränderungen. Aus diesem Grunde fordern führende Köpfe mehr Zentralismus… Um die vom Konvent für Deutschland postulierte «Reform der Reformfähigkeit» in Gang zu setzen, stellt Pohl das derzeitige System der parlamentarischen Demokratie grundsätzlich infrage und plädiert dafür, die sogenannten Reformblockaden zu beseitigen. Die Bundespolitik soll künftig wie eine Aktiengesellschaft geführt werden. Damit die Führung unter Kontrolle bleibt, soll die Bevölkerung einen Bürgerkonvent wählen, der zusammen mit dem Bundespräsidenten und dem Bundesverfassungsgericht als Aufsichtsbehörde fungiert. Ein ähnliches Sicherungssystem eben, «wie dies in gut geführten Unternehmen der Fall ist».” Artikel bei WOZ lesen
Sondertreffen des Sozialforums
Das Sozialforum lädt zu einem Sondertreffen zur “Vorbereitung von regionalen Aktionen innerhalb der bundesweiten Aktionswoche” ins Soziale Zentrum (Rottstr.31) am 13.3. um 17:00 Uhr ein.
Es existieren schon einige Vorschläge für die Aktionswoche “Wut zeigen” [Arbeitstitel]. Die Protestwoche gegen Sozialraub könnte ein breites Spektrum von Themen umfassen: Hartz4, Armut, G8, Hochschule, Bildungsgebühren, Gesundheit, Rente, Privatisierungen etc.
Ebenfalls möchten wir hier die Kampagne “Sozialticket & Recht auf Mobilität für Alle” diskutieren und vorbereiten.
Infos zur bundesweiten Aktionswoche (PDF)
Freie Fahrt mit Bus und Bahn (Forderungen des Dortmunder Sozialforums)
Müntefering humanisiert die Arbeitswelt - Opa fährt zur Arbeit
In einem leidenschaftlichen Appell wendet sich der DGB Bochum an die örtlichen Abgeordneten:
“Wir wenden uns gegen eine Politik, die im Ergebnis auf eine Rentenkürzung hinausläuft und das Problem der Altersarmut zu verschärfen droht. Dies betrifft nicht nur Langzeitarbeitslose und Geringverdiener, sondern benachteiligt insbesondere Frauen aufgrund der vergleichsweise geringeren Einkommen und unterbrochenen Versicherungsbiographien. Wir wenden uns gegen eine Politik, die Älteren den Ausstieg aus dem Erwerbsleben zu fairen Bedingungen verbaut und den Einstieg für Jüngere erschwert.
Wir erwarten von den Abgeordneten des Deutschen Bundestages, dass sie sich für eine Verbesserung der Arbeitsmarktchancen einsetzen, statt die Situation durch eine pauschale Heraufsetzung des gesetzlichen Renteneintrittsalters noch zusätzlich zu verschärfen.”
Müntefering (SPD) will die Rente mit 67 und die Arbeitswelt humanisieren und für “altersgerechte und altensgerechte Arbeit” sorgen. (ARD-Morgenmagazin-Tondokument vom 6. März - Vorsicht Realsatire!) Der Erhebung des Forsa-Instituts für «Stern» und RTL zufolge sanken die Sozialdemokraten im Vergleich zur Vorwoche um vier Prozentpunkte auf nur noch 25 Prozent und damit ihren tiefsten Stand seit der Bundestagswahl im September 2005. [netzeitung]
NRW: Ver.di-Demo gegen Privatisierung
Der Ver.di Bezirksvorstand Bochum-Herne ruft für den morgigen Mittwoch zu einer Demonstration gegen die Privatisierung kommunaler Aufgaben und gegen die Änderungen des Landespersonalvertretungsgesetzes (LPVG) in Düsseldorf auf. (Aufruf als PDF und weitere Infos bei ver.di)
Treffpunkt: 10 Uhr Friedrich-Ebert-Straße (Hbf) und Josef-Beuys-Ufer (Oberkasseler Brücke), Hauptkundgebung um 12 Uhr vor der Staatskanzlei zwischen Platz des Landtages und Stadttor
Mit mehr als 55 vollbesetzten Bussen will ver.di Bochum-Herne die Parlamentarier besuchen.
Abfahrtszeiten für alle Treffpunkte in Bochum: 8.00 Uhr
Treffpunkte der Busabfahrten Bochum
- Bogestra (Weitmar, Witten, Engelsburg, Universitätsstr.)
- USB, Hanielstr.
- VBW, Wirmertstr.
- Stadtwerke Bochum (Ostring, Darpestr.)
- Stadt Bochum (Rathaus Mitte, Hauptfeuerwache Brandwacht , Langendreer Marktplatz, Wattenscheid Stadtgarten/Parkstr., Grünstr./Betriebshof Tiefbauamt, Verwaltungsstelle Gerthe/Heinrichstr., Weitmar Betriebshof Bogestra, USB Hanielstr. )
EU-Präsidentschaft: Bundesregierung will “Lissabon-Strategie” vorantreiben
[ngo] Mit ihrer so genannten Lissabon-Strategie möchte die Europäische Union bis zum Jahr 2010 zum “wettbewerbsfähigsten dynamischsten und wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt” werden. Die deutsche Bundesregierung erklärte die wirtschafts- und sozialpolitische Strategie zum Schwerpunkt der deutschen EU-Präsidentschaft 2007. In diesem Zusammenhang hat Bundeswirtschaftsminister Michael Glos am 27. Februar 02.2007 in Brüssel die diesjährige “Ludwig Erhard Lecture” des privatwirtschaftlichen Lisbon Council gehalten. Das Credo des Ministers: “Freiheit führt zu Wettbewerb und Wettbewerb zu Wohlstand und sozialer Sicherheit”. weiterlesen bei www.ngo-online.de
Aufruf: »Nein zu G8 - Gewerkschaften auf die globale Bühne!«
Auf der Webseite der Initiative werden die Ziele beschrieben: “Die Initiative zum Aufruf “Nein zu G8 - Gewerkschaften auf die globale Bühne” haben globalisierungskritische GewerkschafterInnen zunächst aus Deutschland, dann auch aus vielen anderen Ländern ergriffen. Wie die Liste der ErstunterzeichnerInnen zeigt, arbeiten wir teilweise in Betrieben, teilweise in den Gewerkschaftsapparaten, teils im Umfeld von globalisierungskritischen NGOs oder in Wissenschaftsbereichen.
Auch wenn es in Heiligendamm ernsthafte Diskussionsansätze etwa zum Klimaschutz geben sollte, stellen wir die Legitimität von G8 in Frage und protestieren gegen die neoliberalen Zurichtung der globalen Ökonomie.
Wir formulieren gewerkschaftliche Kernforderungen, die sich großteils auch in der gewerkschaftlichen Programmatik wiederfinden. Aber wir kritisieren auch die Defizite der Gewerkschaften in der Auseinandersetzung mit der kapitalistischen Globalisierung und ihren destruktiven und entsolidarisierenden Auswirkungen auf die gewerkschaftliche Durchsetzungsfähigkeit.
Der Aufruf soll in den linken und gewerkschaftsnahen Medien publiziert werden und auf der Homepage massenhaft, unterschrieben, unterstützt und diskutiert werden. Konkretes Ziel ist, den grenzüberschreitenden Austausch von GewerkschafterInnen über diese Fragen vor und auf dem (Gegen-)gipfel zu fördern.”
»Arbeiten bis zum Tod, das darf nicht sein«
120.000 protestierten in Lissabon gegen Sozialraub
Am Freitagabend demonstrierten 120.000 Portugiesen gegen die unsoziale Politik der Regierung. Es war eine der größten Demonstrationen zur Verteidigung sozialer Errungenschaften in der jüngeren Geschichte, die vom kommunistischen Gewerkschaftsverband CGTP organisiert worden war. Sie richtete sich gegen eine geplante Rentenreform, Kürzungen im Gesundheitswesen und Steuererhöhungen zur Sanierung des Staatshaushalts.
»Arbeiten bis zum Tod, das darf nicht sein«, skandierten die Demonstranten, die am Freitag abend bis vor das Parlament zogen. Der CGTP-Vorsitzende Manuel Carvalho da Silva warf dem seit zwei Jahren amtierenden Ministerpräsidenten José Socrates vor, seine Wahlversprechen zur Verbesserung der Lebensumstände der Portugiesen nicht eingehalten zu haben. Während Großunternehmen und Banken immer höhere Gewinne einstrichen, litten die Arbeitnehmer zunehmend unter schlecht bezahlten Jobs und steigenden Lebenshaltungskosten.
Die Nachrichtenagentur AFP berichtete gar nicht über die Lissaboner Kundgebung, AP in einer einzigen Zehnzeilenmeldung. Die Ereignisse in Rußland waren beiden Agenturen dagegen mehrere ausführliche Berichte wert – alles objektiv und wertfrei, versteht sich… (Quelle: junge Welt)
Flash-Trailer: »Der Rentenblödsinn«
Neulich im Netz gefunden: Ein kurzer Film gegen “Rente mit 67″.
DGB: Rentenkürzungen bis 14,4 Prozent
Nach der aktuellen Statistik der örtlichen Arbeitsagentur suchten im Februar 6.030 Menschen über 55 in Bochum erfolglos Arbeit. 150 mehr als im Dezember 2006. Arbeitsplätze für Ältere gibt es in der Region kaum. „Schon heute halten zwei Drittel nicht bis 65 durch. Sie sind gesundheitlich fertig. Und das heißt: Abschläge! Umso mehr, wenn es die Rente erst mit 67 gibt. Wer mit 63 geht, muss mit einer lebenslangen Rentenkürzung von 14,4 Prozent leben, “ weist der DGB Vorsitzende Michael Hermund auf die Konsequenzen des in der nächsten Wochen im Bundestag zur Verabschiedung vorliegenden Gesetzentwurfes hin.
„Die Begründung, die Rente mit 67 sei notwendig wegen der Demographie, ist eine Lüge“, behauptet Hermund, „Durch die Steigerungen der Produktivität wird der Effekt der demographischen Entwicklung mehr als ausgeglichen.“ Professor Rürup geht von einer Produktivitätssteigerung von 1,8 Prozent pro Jahr aus. Würde der erarbeitete Reichtum, auf alle, vom Baby bis zum Rentner gleichmäßig verteilt, würde er 2030 für jeden 38.000 Euro betragen. Etwa 35 Prozent mehr als 2006. „Trotz Demographie! Wo ist da eigentlich das Problem?“ fragt sich der DGB Vorsitzende.
Die Verteilung sei der Haken! Der wirtschaftliche Erfolg der Steigerung der Produktivität schlage sich immer zunächst in den Unternehmen durch verbesserte Gewinne nieder. Erst durch höhere Löhne und Gehälter flössen die Produktivitätsgewinne der breiten Bevölkerung zu.
„Politiker, die von Überalterung und Demographie reden, haben sich längst auf eine beständige Umverteilung von unten nach oben eingestellt. Ein Verteilungskonflikt wird zum scheinbaren Sachzwang, er wird zu einem demographischen Problem erklärt“ weist Hermund auf die aktuelle Debatte hin, „wer die Verteilungsfrage kaschieren möchte, redet möglichst viel von Demographie.“ (weiterlesen)
G8-Plenum Bochum
Wir möchten euch zum nächsten Treffen des G8-Plenums Bochum am 13.3. ins Soziale Zentrum (Rottstr.31) einladen. Wir beginnen wieder um 19 Uhr. Die Treffen des G8-Plenums sind öffentlich. Neueinsteiger/innen sind herzlich willkommen.
Mit gutem Beispiel voran
In der Rubrik “Best Practice für Aktionen – Anregungen für die Praxis.” berichtet ein “Beratungs- und Aktionsleitfaden” der Diakonie zum Thema “Kosten der Unterkunft” über die Bochumer Aktionen gegen Zwangsumzüge. Seite 29 - 30
http://www.diakonie.de/downloads/Texte-22-2006-Kosten_Unterkunft.pdf


