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Dienstag 17.04.07, 11:43 Uhr

Erste Überlegungen zu einer »Mitfahr-Kampagne«

Ausgehend von dem Recht auf Mobilität und der damit verknüpften Forderung nach einer freien oder bezahlbaren Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel möchten wir eine Kampagne vorschlagen, die InhaberInnen von »Mitnahme-Tickets« (Ticket-1.000, Ticket-2.000, Semesterticket, usw.) auffordert, Menschen ohne Ticket mitzunehmen und umgekehrt Menschen ohne Ticket auffordert sich mitnehmen zu lassen.

Ein Blick zurück: In den 70er Jahren kam es nach kräftigen Preiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr nicht nur zu massiven Protesten und Aktionen des zivilen Ungehorsams, sondern auch zu sogenannten »Rote-Punkt-Aktionen«. BesitzerInnen von PKWs nahmen, z.B. auf dem Weg zur Arbeit, andere Menschen mit. Sie kennzeichneten Ihr Fahrzeug mit einem roten Punkt und fuhren mehr oder weniger systematisch die Haltestellen von Straßenbahnen und Bussen an. Diese Alltagssolidarität ging seinerzeit weit über die politische Szene hinaus. Sie unterlief, zumindest temporär, den Zwang zum Kauf einer Beförderung und stellte ihn öffentlich in Frage.

Von solchen Massenmobilisierungen sind wir heute weit entfernt. Ein Verweis auf die 70er Jahre, kann im Rahmen einer neuen Kampagne, besonders bei jüngeren Menschen, an kein vorhandenes soziales Gedächnis anknüpfen. An »Rote-Punkt-Aktionen« wird sich niemand mehr erinnern. Dennoch wäre die Intention der Kampagne – Alltagssolidarität zu stiften – heute wie damals dieselbe. Allerdings agieren wir heute in einer viel gespalteneren gesellschaftlichen Situation mit anderen Kräfteverhältnissen. Es gibt aktuell keine zugespitzte öffentliche Diskussion darüber, ob die Fahrpreishöhe bzw. überhaupt das Verlangen von Fahrgeld legitim ist. Eine breit angelegte »Mitfahr-Kampagne« wäre also eine sehr „niedrigschwelliges“ Angebot und würde sich ganz innerhalb der Tarifbestimmungen des VRR bewegen.

Um die solidarische Nutzung vorhandener Möglichkeiten der Beförderung zu realisieren, ist die Überwindung der Kommunikationsschwelle zwischen Mitnehmenden und Mitfahrenden notwendig. Ein Erkennungszeichen der Mitnehmenden, z.B. in Form eines Ansteckers macht den Mitfahrenden die Kontaktaufnahme sehr viel leichter. Neben dem Hervorrufen dieser sozialen Kommunikation und dem ganz praktischen Nutzen für die MitfahrerInnen sollte die Kampagne aber auch Elemente enthalten die über das Auffordern zum solidarischen Alltagsverhalten hinausweisen: Die Bedeutung der öffentlichen Verkehrsmittel als öffentliche Güter bzw. gesellschaftliche Infrastruktur im Zusammenhang mit der Frage nach Einkommen und Recht auf Mobilität.

Die Kampagne sollte das gesamter Gebiet des VRR umfassen. Wir halten eine solche Kampagne als vernetztes Projekt mit unterschiedlichsten Akteuren aber einheitlichem Erscheinungsbild für sinnvoll. Wir stellen uns vor das Bochum ein Ausgangspunkt ist und sich die Kampagne von dort aus verbreitert und im besten Falle verselbständigt.

Eine zentrale Bedeutung hat – neben den Kampagnen- Medien wie Plakat, Flyer und Website – das Erkennungszeichen/der Anstecker. Hier sollte eine Form gefunden werden die massenkompatibel ist und sich schnell verallgemeinert. Ein gutes Beispiel dafür ist die »AIDS-Schleife« die jeder kennt.

Ein erstes Koordinationstreffen zur Gestaltung der »Mitfahr-Kampagne« und zur Diskussion einer »Sozial-Ticket-Kampagne« ist am 23. April 2007 um 20.00 Uhr im Sozialen Zentrum in der Rottstr. 31 (Hinterhof) in Bochum.