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Dienstag 06.05.08, 10:27 Uhr
Hartz IV Armutsatz:

0,79 Euro für das Mittagessen

[»Schöne Welt«, Zeitung des Bochumer Sozialforums - Nr. 3] Ein Kind unter 14 Jahren erhält nach dem Hartz IV Regelsatz für das reine Mittagessen nur 0,79 Euro, 10 Cent für ein Getränk der Wahl. An Schulen kostet das Essen zwischen 1,30 und 4 Euro. Die Folge: Kinder hungern, Eltern verschulden sich. In einem Land, in dem Kinder, Bildung und Werte als das Wichtigste für die Zukunft gelten.
Fünf Mahlzeiten am Tag sollen Kinder nach Meinung des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund zu sich nehmen. Drei lässt die Bundesagentur für Arbeit zu. Selbst wenn das Mittagessen mit Beträgen über 0,79 Euro hinaus bezuschusst würde, wie sieht es aus mit Getränken, mit Frühstück, Pausenbrot, Nachmittagssnack und Abendessen? Gerade mal 2,72 Euro am Tag haben Kinder unter 14 Jahren zur Verfügung. Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung erklärt: “Das Arbeitslosengeld (ALG) II reicht nicht aus, um Kinder und Jugendliche ausgewogen und gesund zu ernähren.“
In Deutschland fällt jede vierte Familie unter die Armutsgrenze – dies geht nach SPIEGEL-Informationen aus einem nicht veröffentlichten Regierungsbericht zu Armut und Reichtum hervor. Die Armutsquote liegt bei 26 Prozent gegenüber durchschnittlich 18 Prozent. Noch nie war die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland so groß wie heute. Vor drei Jahren, als der letzte Armutsbericht der Bundesregierung veröffentlicht wurde, waren es „nur“ 13,5 Prozent – zu einer Zeit, als noch fünf Millionen Menschen arbeitslos waren und nicht wie heute 3,5 Millionen. Die Kehrseite: Den 18 Prozent armen Deutschen stehen die zehn Prozent der Bürger gegenüber, denen 60 Prozent des Volksvermögens gehören.
Was in Deutschland gilt, trifft auch für Bochum zu. Das zeigt der im April vorgelegte Sozialbericht für Bochum: „Arme werden ärmer, Reiche werden reicher.“ Rund 40 000 Menschen müssen in Bochum von Hartz IV leben. Mehrere Gruppen und Personen sind stärker von Armut bedroht: Beziehen im Durchschnitt 13,7 Prozent aller BochumerInnen Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld, so sind es in kinderreichen Haushalten 32,3 Prozent, unter den Alleinerziehenden sogar 38,3 Prozent. Kinder stellen auch in Bochum ein wesentliches Armutsrisiko dar. Geradezu dramatisch stellt sich die Situation ausländischer Kinder und Jugendlicher dar: Mehr als die Hälfte ist von Armut betroffen.
Das Beispiel zeigt: Soziale Grundrechte verkommen zu Almosen, Hartz IV ist ein soziales Desaster und muss weg. Eine deutliche Erhöhung der Hartz IV Regelsätze wäre ein erster Schritt.