Archiv - August 2009
Anfahrts- und Wegskizze
Vom HBF-Bochum aus ist das Ottilie-Schoenewald-Weiterbildungskolleg der Stadt Bochum in 5 Minuten zu Fuß zu erreichen.
[größere Darstellung der Skizze]
Filmfestival »ueber Macht«
„Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.“ (Theodor W. Adorno, Minima Moralia, Erster Teil, 1944)
Bereits zum dritten Mal kommt das bundesweite Filmfestival von “Die Gesellschafter” nach Bochum. Nach “ueber Morgen” (2007) und “ueber Arbeit” (2008) läuft das Filmfestival “ueber Macht” vom 3. - 9. September im Ottilie-Schoenewald-Weiterbildungskolleg. In einem breiten Spektrum werden dabei Fragestellungen thematisiert, die “über Macht” nachsinnen und “Übermacht” anprangern. Mit den Filmen wird gleichzeitig wieder unterschiedlichen Gruppen die Möglichkeit geboten, ihre Arbeit vorzustellen und dafür zu werben, sich einzumischen. Die zentral gelegenen Räumlichkeiten des Ottilie-Schoenewald-Weiterbildungskollegs drängen sich förmlich auf, hier einen kulturellen Begegnungspunkt weiter zu entwickeln. Das Filmfestival möchte auch eine Anregung sein, dieses Gebäude kulturell noch intensiver zu nutzen.
Im Anschluss an die Filme findet jeweils ein Filmgespräch statt.
Alle 13 Filme des Festivals können auch als Sondervorstellungen z.B. für Schulen oder Gruppen gebucht werden. Anmeldung bitte beim Sozialforum Bochum unter Tel: 0234 - 579 678 76
Kontakt via Email: filmfestival@sozialforum-bochum.de
Regionale Festival-PartnerInnen
Koordiniert wird das Festival »über Macht«, das bundesweit in hundert Städten von der “Aktion Mensch” organisiert wird, in Bochum vom Sozialforum. Folgende örtliche Organisationen, Gewerkschaften, Gruppen und Initiativen unterstützen und begleiten das Filmfestival als Filmpartner:
AK Lateinamerika
Attac Bochum
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Kreisgruppe Bochum
DGB Region Ruhr-Mark
DGB-Jugend Region Ruhr-Mark
Friedensplenum Bochum
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - GEW Bochum
Hutzel Vollkorn-Bäckerei
Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum
Kinder- und Jugendring Bochum e.V.
Ottilie-Schoenewald-Weiterbildungskolleg
Protestkomitee gegen Studiengebühren in Bochum
Weglaufhaus-Initiative Ruhrgebiet e.V.
Fotos zum Filmfestival »ueber Macht«
Film-Trailer (soweit vorhanden)
Donnerstag, 3.09.09
Trailer: Monsanto, mit Gift und Genen
Kein Trailer vorhanden
Trailer: Strange Culture/Fremdkulturen
Trailer: Manda Bala - Send a Bullet
Kein Trailer vorhanden
Trailer: Gesetzgeber
Kein Trailer vorhanden
Trailer: Ihr Name ist Sabine
Kein Trailer vorhanden
Trailer: Verschwörung der Herzen
Kein Trailer vorhanden
Trailer: Faustrecht
Kein Trailer vorhanden
Trailer: Die Schuld, eine Frau zu sein
Trailer: Streik(t)raum
Kein Trailer vorhanden
Monsanto, mit Gift und Genen
Genetisch veränderte Lebensmittel sind sicher. Das sagen die Hersteller-Firmen. Marie-Monique Robins brillante Recherche über den Biotechnologie-Konzern Monsanto untersucht, wie die »wissenschaftlichen Beweise« für diese Behauptung zu Stande kommen. Sie findet heraus, dass Gen-Manipulierer auch Forschungsergebnisse manipulieren. Gegenstimmen bringt Monsanto systematisch zum Verstummen. Robins Film enthüllt die Einflussnahme des Konzerns auf Politik und Kontrollbehörden bei seinem weltumspannenden Griff nach der Macht über unser Essen.
1974 brachte das Biotechnologie-Gigant Monsanto das Unkrautvernichtungsmittel »Roundup« auf den Markt und bewarb es als biologisch abbaubar. Das jedoch ist das hochgiftige Totalherbizid keineswegs, dafür steht es im Verdacht, krebserregend zu sein. Zwar ist der Hinweis auf die angebliche biologische Abbaubarkeit von den Behältern verschwunden, nachdem Gerichte in den USA und Frankreich Monsanto wegen falscher Werbung verurteilt hatten, das Gift wird allerdings in großem Maßstab weiter verwendet. In den 90er Jahren konnte Monsanto dann das passende genmanipulierte Saatgut anbieten, das gegen »Roundup« resistent ist. So wird sichergestellt, dass alle unautorisierte Natur um Monsanto-
Erzeugnisse herum vernichtet wird.
Aus den Monsanto-Pflanzen selbst wieder Saatgut zu machen, wie es seit Jahrtausenden auf der ganzen Welt üblich ist, ist streng verboten – so sorgt der Konzern dafür, dass in jeder Saison aufs neue bei ihm eingekauft werden muss und seine Profitkette nicht unterbrochen wird. Mit eigenen Fahndern wacht er darüber, dass nur ja niemand unerlaubt sein geistiges Eigentum verwendet. Da reichen auf den Feldern der wenigen Farmer in den USA, die sich Monsanto bislang noch verweigern, schon mal ein paar Sprösslinge, deren Samen der Wind vermutlich vom Gentechnik-Feld des Nachbarn herübergetrieben hat, um bedrohliche Gerichtsverfahren und saftige Lizenz-Strafzahlungen zu begründen.
Strange Culture/Fremdkulturen
Steve Kurtz ist Performance-Künstler, seine Arbeit dreht sich um das Thema Biotechnologie. In der Terrorfurcht nach dem 11. September erregt er die Aufmerksamkeit des FBI. Der Verdacht: Bio-Terrorismus.
Als Steve Kurtz am 11. Mai 2004 aufwacht, liegt seine Frau Hope tot neben ihm. Das wäre Tragödie genug. Doch für Kurtz beginnt an diesem Tag ein Alptraum, der für die nächsten vier Jahre seine gesamte Kraft erfordern wird, um nicht für lange Zeit ins Gefängnis zu wandern.
Entsetzt über den plötzlichen Tod seiner Frau wählt Kurtz den Notruf. Die herbeieilenden Helfer schauen sich um und bemerken dabei Petrischalen mit Biokulturen. Wenig später stürmen Mitglieder der »Joint Terrorism Task Force« des FBI, der Homeland Security, des Verteidigungsministeriums, des Marshall-Büros und der
Feuerwehr in Schutzanzügen das Haus, stellen alles auf den Kopf und beschlagnahmen jedes nur mögliche Material, das ihnen verdächtig erscheint: Computer, Auto, Katze, die Leiche seiner Frau, Bücher und Manuskripte – zum Beispiel die Einladungskarte zu einer Kunstaktion, auf der sich arabische Schriftzeichen befinden. Gleichzeitig wird Kurtz wegen des Verdachts auf Bio-Terrorismus verhaftet.
Kurtz drohen 20 Jahre Haft für den Besitz von Bakterien, die jeder frei über das Internet bestellen kann. »Strange Culture/Fremdkulturen« ist Teil einer internationalen Aktion, mit der sich bekannte Künstler wie Tilda Swinton mit Kurtz solidarisieren. Strange Culture/Fremdkulturen Infofolder (PDF, 1.1 MB)
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Manda Bala - Send a Bullet
Eine brasilianische Froschfarm, ein korrupter Politiker, ein reicher amerikanischer Geschäftsmann, ein Entführer aus den Slums von São Paulo. Jason Kohn porträtiert eine Gesellschaft im Kriegszustand. Ein Krieg aller gegen alle, in dem jeder versucht, an die Spitze der Nahrungskette zu gelangen. Alle wollen sie Geld, ohne Rücksicht auf Verluste.
Am Ende verliert die ganze Gesellschaft. Manda Bala führt drastisch vor Augen, wie eine Gesellschaft ohne soziale Verantwortung, ohne Rechte für die Armen und ohne Regeln für die Reichen in den Verteilungskrieg treibt. Ein visueller Essay, dessen expressive Bilder und poppige Klänge mit der Härte der sozialen Realität kontrastieren.
Einer der Protagonisten in »Manda Bala« drückt es plastisch aus: »Der eine stiehlt mit dem Stift, der andere mit der Pistole.« Manda Bala - Send a Bullet Infofolder (PDF, 738.9 KB)
AK Lateinamerika, Bochumer Friedensplenum
Gesetzgeber
Kann man Demokratie filmen? Es geht. Frederick Wiseman, der legendäre Chronist der amerikanischen Gesellschaft, beweist es mit »Gesetzgeber«.
Unzählige Filme gibt es über den Prozess der Rechtsprechung; der Gerichtsfilm stellt sogar ein eigenes Genre unter den Kriminalfilmen dar. Einen Film über den Prozess der Gesetzgebung - »Gesetzgeber« - , DEN Film über Gesetzgebung - konnte jedoch nur Frederick Wiseman machen.
Wiseman, der wichtigste Dokumentarfilmer Amerikas, beherrscht eine Methode des filmischen Dokumentierens, die sich hervorragend zur Darstellung von Demokratie eignet, da er seine Herrschaft über das Filmmaterial nicht zur Meinungsmache und Manipulation der Zuschauer nutzt. Wiseman gewährt Einblicke und Erfahrungen, über deren Bedeutung jeder sich selbst eine Meinung bilden kann. Mit »Gesetzgeber« hat er die Geschäfte der Gesetzgeber im kleinen US-Bundesstaat Idaho aufgezeichnet und zu einem rhythmisch fließenden Werk montiert.
Drei Monate im Jahr treffen die gewählten Volksvertreter Idahos zusammen, die im Rest der Zeit alle möglichen anderen Berufe ausüben. In ihrer Gesetzgeberzeit informieren die Laienpolitiker sich, diskutieren und beraten über wahrhaft jede Kleinigkeit, die irgendwie die Legislative betrifft. Die Abgeordneten befassen sich mit einem Denkmal, Wasserrechten, Gefängnisproblemen, Rauchverbot, mit Video-Voyeurismus und Telefongebühren.
Die ganzen drei Monate war auch Wiseman dabei, und er hat Debatten in Komitees, öffentliche Hearings und informelle Treffen in den Gängen des Regierungsgebäudes gefilmt. Im Meinungsbildungsprozess werden Bürger, Fachleute und auch Lobbyisten gehört.
Frederick Wiseman sagt: “Ich habe entdeckt, dass Politiker gerne reden, und deshalb ist dieser Film … abhängig von der Rede. Regieren und Reden, das kennen wir auch, vor allem, wenn die Gewählten den Wählern ihre Politik und die Welt erklären.«
Eine aufregende Sonntagsmatinee mit Dr. Rainer Vowe vom Institut für Medienwissenschaften der Ruhr-Universität Bochum (IfM) als Diskussionspartner.
Ihr Name ist Sabine
Sabine und Sandrine Bonnaire sind Schwestern. Sabine ist Autistin. Sandrine dagegen gehört zu den großen Stars am Kinohimmel. Ihre erste Arbeit als Regisseurin hat sie ganz ihrer Schwester gewidmet. Ihr Film erzählt, wie das ursprünglich quirlige Mädchen in eine emotionale Krise stürzt und in die Psychiatrie eingewiesen wird. Sabine wird massiv mit Psychopharmaka behandelt – fünf Jahre lang. Danach sind ihre kreativen Fähigkeiten und persönliche Ausdruckskraft nahezu zerstört. Heute lebt sie in einer Wohngruppe in der französischen Provinz, die mit Hilfe ihrer Schwester aufgebaut wurde. Hier lernt Sabine neu leben.
Faustrecht
Jugendliche Gewalttäter. In den Medien werden sie oft zu »Monstern« reduziert, und zur Zuspitzung von Wahlkämpfen eignen sie sich auch prima. »Faustrecht« schaut genauer hin. Der Film begleitet zwei 16-Jährige: Während Tim unter seinen unkontrollierten Gewaltausbrüchen selber leidet, setzt Gibran Gewalt kühl kalkulierend als Machtmittel ein, um sich Respekt zu verschaffen.
Mitgefühl scheint für ihn ein Fremdwort zu sein – bis es zu einem furchtbaren Zwischenfall mit seiner Freundin kommt. Um die beiden Hauptpersonen zeichnet »Faustrecht« ein differenziertes Bild von engagierten Helfern, überforderten Therapeuten und Eltern, die zwischen Ratlosigkeit und Desinteresse schwanken.
Zwei Jahre bleiben die Filmemacher Bernard Weber und Robi Müller nah an diesen jungen Männern an der Schwelle des Erwachsenseins, die trotz eines ähnlichen Problems doch sehr verschieden sind. Pädagogisches Material zu Faustrecht (PDF, 234.2 KB)
Der Kinder- und Jugendring beteiligt sich am Filmfestival “ueber Macht” und hat die Patenschaft für den Film “Faustrecht” übernommen. Im Anschluss an den Film wird Peter Schnieders (Leiter der Jugendwohngruppe) über “MiA” (Mitten in Altenbochum) ein neues Hilfsangebot für psychisch kranke Jugendliche in Bochum und über pädagogische Erfahrungen aus der Praxis informieren. Einen Überblick über soziale Trainingsmaßnahmen und Hilfsangebote für gewalttätige Jugendliche in Bochum gibt der Leiter des “Ambulanten Jugendhilfezentrums Ost” Michael Künker von ViA-Bochum.
Die Schuld, eine Frau zu sein
Die Geschichte einer Selbstbefreiung, die um die Welt ging. Als Wiedergutmachung für ein angebliches Vergehen ihres Bruders wird die Pakistanerin Mukhtar Mai von den Männern eines Nachbarclans vergewaltigt – die Strafe eines archaischen Machtsystems. Doch die junge Frau weigert sich, die ihr zugedachte Rolle zu akzeptieren und sich aus Scham selbst zu töten, wie es üblich ist. Mit Hartnäckigkeit und gegen viele Widerstände bringt sie die Täter vor Gericht. Mit der Entschädigungszahlung baut sie in ihrem Heimatdorf die erste Schule für Mädchen und junge Frauen auf, denn Mukhtar Mai ist über zeugt: Bildung ist für Frauen der beste Schutz gegen patriarchalische Unterdrückung und das, was ihr geschehen ist.




























































